Das team “Art Reliques Calvin”. Marianne, Pascale, Christine.
Artikel von Gerd Birsner (erschienen in ABB und Kehler Zeitung)
http://www.birsner.de
http://www.acherundbuehlerbote.de/http://www.kehler-zeitung.de/
Skulpturen von Marianne Schwab und Getöpfertes von Christine Mack ergänzen Ausstellung zu 500 Jahre Calvin in StraßburgVon Gerd BirsnerRheinau. Krummes biegt sie gerade, und gerade Geratenes macht sie krumm. Marianne Schwab aus Linx schafft Schönes mit viel weiblicher Muskelkraft. Und Fantasie. „Das ist das wichtigste, was man dafür braucht“, sagt sie. Die Mutter von Leoni (5) und Noah (4) arbeitet vormittags in einem großen heimischen Fertighausunternehmen.  In ihrer noch nach frischer Farbe und kaltenSchweißnähten riechenden Garage werkelt sie mit gestrandetem Holz, altem Eisenund frechem Einfallreichtum.  Dort wird geschwitzt und geschweißt, gebohrt, gedrehtund  gefeilt. Und an bereits Gemachtem gefeilt. „Feinschliff muss sein – gerade
auch bei Grobschlächtigem. Das Material, das sie verarbeitet, ist grobschlächtig:vom Rhein ans Ufer geschwemmtes Holz, von Landwirt Papa Sänger ausrangierteMesserbalken und Mistgabeln. Kunst aus Totem, Weggeworfenem entsteht.Ihre permanente Ausstellungsfläche ist ihr Vorgarten. Schrullige Käuze, christlicheKreuze, messerbalkenscharfe Gardinenstangen – nichts, was ihre Fantasie bremst. Und wenn es schnell gehen soll, dann sprühen die Ideen. Wie in diesem Fall.
Die Elsässerin Pascale Camus-Walter versteht sich auf Kalligrafie. Sie hat verschiedene Diplome, hat fünf Jahre Kunsthistorik studiert und arbeitet heute bei Arte als Assistentin für Multimedia. Ziel ihrer Kunst ist,  Text und Denken in eine neue Dimension zu bringen. „Wir sind gewohnt, alles flach zu sehen: Papier in Büchern und Zeitungen, (Flach-) Bildschirme, Wegweiser, Hinweisschilder. In meinen Werken befreie ich den Text von dieser Flachheit, und ich suche immer neue Wege, um Texte und Sprache im Raum zu bringen. Eine neue Gelegenheit ist mir mit dieser Ausstellung über Calvin gegeben.“ Doch die Logistik forderte: Es muss schnell gehen. „Solche Projekte sind die besten, weil  man an Spontaneität
gewinnen kann. Vorgeplante Kunst ist manchmal so schwer…“ Mit der Calvin-Ausstellung in der Mediathek vom berühmten „Stift“, die jahrhundertealteprotestantische Sankt-Thomas Stiftung in Straßburg, in der Nähe von Petite France,wurde Camus-Walter zu Spontaneität und Kreativität gezwungen. Und unter Druck lässt sich’s trefflich kreativ sein….
In der Linxer Kirche hatte sie Schwab’sche Metallkreuze auf Schwemmholz gesehenund war angetan. Im Hirn der elsässischen Künstlerin braute sich gerade eine Ideezusammen: sie wollte zu Ehren des Reformators Johannes Calvin, dessen Lehre sieverinnerlicht hatte und der vor 500 Jahren  am 10. Juli 1509 in Noyon geboren wurde,Kalligrafien erstellen. Und weil die nur zweidimensional sind,  hatte sie die LinxerKünstlerin gefragt, ob sie sich vorstellen könne, aus der ZweidimensionalitätDreidimensionales zu schaffen.
Gefragt – getan: Das war vor gerade mal acht Wochen. Also musste es schnell gehen. Die Idee war gut, die Chemie zwischen den beiden Frauen passte, und plötzlich war sie da, die Inspiration. Frauenpower pur. Innerhalb von sechs Wochen – dazwischen noch ein erholsamer Urlaub hat die Schwab – von Calvin und den Pascale’schen Aquarellen bis tief in die Nacht geschweißt, gebohrt, gedreht, zusammengefügt, was zusammen gehört.Aber halt. Da fehlte noch etwas: die Füße, der Hintern und die Schulter von Jesus. „So etwas ist aus Holz und altem Eisen nicht machbar“. Also musste noch ein drittes Element mit ins calvinistische Boot. Gibt es da nicht noch eine Frau in Honau, deren Hände Erde zu Kunst formen? Und so wurde das Frauenpower-Trio komplettiert:
Christine Mack, mediterranes Geschöpf aus Malta und Honauer Wohnsitz, gibt mit Ton den Ton an. Das tut sie schon lange. Getöpfert hatte sie bereits in mediterranem Umfeld auf Malta. Damals noch in der Pubertät, hatte sie von der Tante inspiriert, entdeckt, wie Erde zu Kunst werden kann. Inzwischen 41 und in Honau sesshaft geworden, hat sie sich in der Gieselbachstraße in Honau eine kleine, erdige Werkstatt eingerichtet.  Und sie kann Schultern, Füße und Popo mit der Hand formen. Und so musste Gunter, ihr Gatte Modell stehen. Und Jesus seine Füße, Schulter seinen Popo leihen.   Am Donnerstag Abend wurden die dreidimensionalen Texte über und zu Calvin  nebst Jesus‘ töneren Körperteilen auf den Anhänger geladen und nach Straßburg gekarrt, um die Ausstellung mit Aquarellen und Kalligrafien von Pascale Camus-Walter in der Médiathèque protestante, 1bis quai Saint‐Thomas, hinter der Sankt Thomaskirche kurz vor Petit France in Straßburg aufzubauen. Es eilt: Am Dienstag, 15. September, 18.30 Uhr, ist Vernissage der zehn große Installationeninklusive den töneren Körperteilen Jesu, die die etwa 50 Aquarelle der Kalligrafin und Calvinistin Pascale Camus-Walter flankiern, ergänzen, dreidimensional machen.  Bis Donnerstag, 22. Oktober, ist die Ausstellung der dreidimensionierten Texte Calvins in Straßburg nebst tönernen Körperteilen Jesu noch zu sehen. Geöffnet ist die Ausstellung jeweils dienstags bis donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Das team “Art Reliques Calvin”.
Marianne, Pascale, Christine.

Artikel von Gerd Birsner (erschienen in
ABB und Kehler Zeitung)

http://www.birsner.de

http://www.acherundbuehlerbote.de/
http://www.kehler-zeitung.de/

Skulpturen von Marianne Schwab und Getöpfertes von Christine Mack
ergänzen Ausstellung zu 500 Jahre Calvin in Straßburg

Von Gerd Birsner

Rheinau. Krummes biegt sie gerade, und gerade Geratenes macht sie krumm.
Marianne Schwab
aus Linx schafft Schönes mit viel weiblicher Muskelkraft.
Und Fantasie. „Das ist das wichtigste, was man dafür braucht“, sagt sie.
Die Mutter von Leoni (5) und Noah (4) arbeitet vormittags in einem großen
heimischen Fertighausunternehmen. In ihrer noch nach frischer Farbe und kalten
Schweißnähten riechenden Garage werkelt sie mit gestrandetem Holz, altem Eisen
und frechem Einfallreichtum. Dort wird geschwitzt und geschweißt, gebohrt, gedreht
und gefeilt. Und an bereits Gemachtem gefeilt. „Feinschliff muss sein – gerade

auch bei Grobschlächtigem. Das Material, das sie verarbeitet, ist grobschlächtig:
vom Rhein ans Ufer geschwemmtes Holz, von Landwirt Papa Sänger ausrangierte
Messerbalken und Mistgabeln. Kunst aus Totem, Weggeworfenem entsteht.
Ihre permanente Ausstellungsfläche ist ihr Vorgarten. Schrullige Käuze, christliche
Kreuze, messerbalkenscharfe Gardinenstangen – nichts, was ihre Fantasie bremst.
Und wenn es schnell gehen soll, dann sprühen die Ideen. Wie in diesem Fall.

Die Elsässerin Pascale Camus-Walter versteht sich auf Kalligrafie. Sie hat
verschiedene Diplome, hat fünf Jahre Kunsthistorik studiert und arbeitet heute
bei Arte als Assistentin für Multimedia. Ziel ihrer Kunst ist, Text und Denken
in eine neue Dimension zu bringen. „Wir sind gewohnt, alles flach zu sehen:
Papier in Büchern und Zeitungen, (Flach-) Bildschirme, Wegweiser, Hinweisschilder.
In meinen Werken befreie ich den Text von dieser Flachheit, und ich suche immer
neue Wege, um Texte und Sprache im Raum zu bringen. Eine neue Gelegenheit ist
mir mit dieser Ausstellung über Calvin gegeben.“ Doch die Logistik forderte:
Es muss schnell gehen. „Solche Projekte sind die besten, weil man an Spontaneität

gewinnen kann. Vorgeplante Kunst ist manchmal so schwer…“ Mit der Calvin-
Ausstellung in der Mediathek vom berühmten „Stift“, die jahrhundertealte
protestantische Sankt-Thomas Stiftung in Straßburg, in der Nähe von Petite France,
wurde Camus-Walter zu Spontaneität und Kreativität gezwungen. Und unter
Druck lässt sich’s trefflich kreativ sein….

In der Linxer Kirche hatte sie Schwab’sche Metallkreuze auf Schwemmholz gesehen
und war angetan. Im Hirn der elsässischen Künstlerin braute sich gerade eine Idee
zusammen: sie wollte zu Ehren des Reformators Johannes Calvin, dessen Lehre sie
verinnerlicht hatte und der vor 500 Jahren am 10. Juli 1509 in Noyon geboren wurde,
Kalligrafien erstellen. Und weil die nur zweidimensional sind, hatte sie die Linxer
Künstlerin gefragt, ob sie sich vorstellen könne, aus der Zweidimensionalität
Dreidimensionales zu schaffen.

Gefragt – getan: Das war vor gerade mal acht Wochen. Also musste es schnell
gehen. Die Idee war gut, die Chemie zwischen den beiden Frauen passte, und
plötzlich war sie da, die Inspiration. Frauenpower pur. Innerhalb von sechs
Wochen – dazwischen noch ein erholsamer Urlaub hat die Schwab – von Calvin
und den Pascale’schen Aquarellen bis tief in die Nacht geschweißt, gebohrt,
gedreht, zusammengefügt, was zusammen gehört.
Aber halt. Da fehlte noch etwas: die Füße, der Hintern und die Schulter von Jesus.
„So etwas ist aus Holz und altem Eisen nicht machbar“. Also musste noch ein
drittes Element mit ins calvinistische Boot. Gibt es da nicht noch eine Frau in
Honau, deren Hände Erde zu Kunst formen? Und so wurde das
Frauenpower-Trio komplettiert:

Christine Mack, mediterranes Geschöpf aus Malta und Honauer Wohnsitz, gibt
mit Ton den Ton an. Das tut sie schon lange. Getöpfert hatte sie bereits in
mediterranem Umfeld auf Malta. Damals noch in der Pubertät, hatte sie von der
Tante inspiriert, entdeckt, wie Erde zu Kunst werden kann. Inzwischen 41 und
in Honau sesshaft geworden, hat sie sich in der Gieselbachstraße in Honau eine
kleine, erdige Werkstatt eingerichtet. Und sie kann Schultern, Füße und Popo
mit der Hand formen. Und so musste Gunter, ihr Gatte Modell stehen. Und Jesus
seine Füße, Schulter seinen Popo leihen.
Am Donnerstag Abend wurden die dreidimensionalen Texte über und zu Calvin
nebst Jesus‘ töneren Körperteilen auf den Anhänger geladen und nach Straßburg
gekarrt, um die Ausstellung mit Aquarellen und Kalligrafien von Pascale
Camus-Walter in der Médiathèque protestante, 1bis quai Saint‐Thomas, hinter
der Sankt Thomaskirche kurz vor Petit France in Straßburg aufzubauen. Es eilt:
Am Dienstag, 15. September, 18.30 Uhr, ist Vernissage der zehn große Installationen
inklusive den töneren Körperteilen Jesu, die die etwa 50 Aquarelle der Kalligrafin
und Calvinistin Pascale Camus-Walter flankiern, ergänzen, dreidimensional machen.
Bis Donnerstag, 22. Oktober, ist die Ausstellung der dreidimensionierten Texte
Calvins in Straßburg nebst tönernen Körperteilen Jesu noch zu sehen. Geöffnet
ist die Ausstellung jeweils dienstags bis donnerstags von 9 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

posted : Tuesday, September 22nd, 2009

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